10.000 demonstrierten auf dem Alsdorfer Denkmalplatz

Vor 25 Jahren verdüsterte sich Stimmung im Aachener Revier. In Alsdorf demonstrierten 10000 Menschen gegen Pläne des Bundeswirtschaftsministers, den sozialverträglichen Gleitflug aus der heimischen Steinkohle zu beenden.

Vor 25 Jahren verdüsterte sich die Stimmung im Aachener Revier. In Alsdorf demonstrierten 10000 Menschen gegen Pläne des Bundeswirtschaftsministers, den sozialverträglichen Gleitflug aus der heimischen Steinkohle zu beenden.

Vor 25 Jahren, am 13. Juni 1987, verdüsterte sich in Alsdorf der gesellschaftspolitische Himmel. Auf dem Denkmalplatz demonstrierten 10000 Menschen gegen Pläne des damaligen Bundeswirtschaftsministers, Subventionen für die deutsche Montanindustrie massiv zu kürzen. „Es war die größte Demonstration, die jemals in der Region Aachen organisiert worden ist“, erinnert sich der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete Hans Vorpeil. Sternförmig kamen aus den umliegenden Bergbaustädten und aus dem Alsdorfer Burgpark an jenem Samstagmittag Bergleute, Mitarbeiter aus bergbauabhängigen Betrieben, Familienangehörige, Handwerker, Geschäftsleute, Bürgerinnen und Bürger sowie die Vertreter der beiden Volksparteien SPD und CDU  zum Denkmalplatz. Es war der geballte Protest gegen die Pläne des damaligen FDP-Bundeswirtschaftsministers Martin Bangemann.

Die IG Bergbau und Energie (Heute: IG BCE) hatte den Protest organisiert, mit ihrem damaligen stellvertretenden, in Alsdorf geborenen Bundesvorsitzenden Hans Berger. Die Kohle- und Stahlkrise hatte Nordrhein-Westfalen fest im Griff. Und im Aachener Revier
rückte das Ende des heimischen Steinkohlebergbaus immer näher. Anfang der 70er Jahre waren hier die EBV-Zechen Anna und Adolf bei gleichzeitiger Stilllegung der Förderung auf Adolf zusammengelegt worden. 1975 kam der Deckel auf die Grube Carl-Alexander in Baesweiler. Ende der 70er begannen beim Eschweiler Bergwerks-Verein (EBV) die Umstrukturierungsmaßnahmen zur Zusammenlegung der Gruben Anna in Alsdorf und Emil-Mayrisch in Siersdorf. Am 23. Dezember 1983 kamen mit dem letzten Förderwagen die letzten Kohlebrocken auf der Grube Anna nach Übertage. Die Industrie- und Handelskammer Aachen hatte Ende 1983 ein Gutachten der PROGNOS AG erstellen lassen: „Entwicklung der Wirtschaftsstruktur in der Region Aachen.“  Darin wurde auf die Gefahr einer dramatisch ansteigenden Abeitslosigkeit hingewiesen. Die IHK wusste mit Blick auf die Produktivität der Zechen, „dass in Alsdorf, in Aldenhoven-Siersdorf und dann auch in Hückelhoven der Steinkohlebergbau in absehbarer Zeit zu Ende geht“, begründete deren Geschäftsführer Jürgen Drewes das in Auftrag gegebene Gutachten. Vier Jahre später sah die Bergbauregion den sozialverträglichen Gleitflug aus der Steinkohle massiv gefährdet.

Hans Vorpeil erlebte die große Demo als Landtagsabgeordneter.
Hans Vorpeil erlebte die große Demonstration als Landtagsabgeordneter.

Bergarbeiterfamilien, Geschäftsleute, Handwerksbetriebe im Aachener Revier sahen ihre Existenz bedroht. „Und Minister Bangemann wollte um jeden Preis die teure deutsche
Steinkohle bei den Subventionen stärker kürzen und dann bei noch schnelleren Stilllegungen keine Rücksicht auf sozialverträgliche Lösungen nehmen“, beschreibt Hans Vorpeil das Gefühl, das vor 25 Jahren in den betroffenen Industrien für Unruhe sorgte. „Das hätte das noch sehr viel frühere Ende des Bergbaus im Aachener Revier bedeutet, viele Bergleute hätten betriebsbedingt gekündigt werden müssen“, erzählt der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete. Bisher war es Ziel der
Politik in Bund und Land gewesen, in diesem Industriebereich betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. „Kein Bergmann soll ins Bergfreie fallen“, hatte NRW-Ministerpräsident Johannes die politische Zielmarke vorgegeben.

Die Sorge um die Existenz, die Befürchtung, nicht schnell genug Ersatzarbeitsplätze zu finden, suchte sich ein Ventil. Bei der großen Bergarbeiter-Demo auf dem Alsdorfer Denkmalplatz entlud sich der ganze Zorn der Bergleute. Hans Vorpeil: „Es war eine sehr emotionale Veranstaltung, wo ich manche Tränen, vor allem bei Frauen feststellen konnte. Schon im Juni 1987 war allen klar, dass die letzte Verbund-Schachtanlage Emil-Mayrisch bald schließen würde, aber die Hoffnung auf ein sozialverträgliches Ausscheiden aus dem Bergmannsberuf war die große Hoffnung der Bergleute und die Bedingung der Regionalen Politik, außer der FDP, die sich feige zurück hielt.“

NRW-Ministerpräsident Johannes Rau verlor das vergleichsweise kleine Aachener Revier nicht aus dem Blick. Landesregierung und EBV-Vorstand waren sich einig, gemeinsam wollten sie ein sozialverträgliches Ende des Bergbaus in unserer Region gestalten. Am 22. September 1987 tagte das Landeskabinett in Aachen. Rau drängte die Ressortminister, mögliche Hilfen für das Aachener Revier aufzuzeigen. Der Landtag diskutierte zwei Tage später die Vorstellungen und Wünsche der betroffenen Kommunen an die Politik. SPD-Landtagsabgeordneter Hans Vorpeil koordinierte mit Peer Steinbrück, damals Büroleiter von Johannes Rau in der Staatskanzlei, ein Treffen des Ministerpräsidenten mit den
Landtagsabgeordneten aus dem Aachener Revier. Das „Sonderprogramm Aachen“ des
Landes wurde aufgelegt, erste Förderprojekte waren der Technologiepark TPH Herzogenrath und der Industriepark Alsdorf.

Auf bundespolitischer Ebene fand am 11. Dezember 1987 eine erneute Kohlerunde statt, in der ein zusätzliches Anpassungsprogramm beschlossen wurde. Dort fiel auch der Stilllegungsbeschluss für die Schachtanlage Emil Mayrisch im Aachener Revier. Für unsere Stadt begann eine Leidenszeit. Mutige und entschlossene Politiker auf kommunaler, Landes- und   Bundesebene haben damals gemeinsam mit Unternehmen, Kammern und anderen Entscheidungsträgern den Grundstein gelegt für eine positive Entwicklung nach Ende des Bergbaus. Übrigens: Auch die Entscheidung, eine neue Stadthalle zu bauen, fiel in jene Zeit. Es sollte ein Zeichen gesetzt werden, dass nicht alles zu Ende ist. Alsdorfs CDU demonstrierte bei der Einweihung der Stadthalle und forderte auf Transparenten die Bürger auf, nicht in dieses Haus zu gehen. Es war nur eine Episode.

Geblieben aber ist die Erkenntnis, dass gemeinsames, entschlossenes Handeln, Zusammenstehen in guter bergmännischer Tradition viele Probleme lösen und gute Entwicklungen einleiten kann. Wir von der SPD Alsdorf meinen, dass es gut ist, das nicht zu vergessen und daran zu erinnern, 25 Jahre nach der großen Demo der Bergarbeiter auf dem Alsdorfer Denkmalplatz. Tradition zu pflegen, seine Wurzeln zu kennen, das heißt auch, sich auf seine Stärken zu besinnen – und auf dieser Basis  neue Impulse zu setzen.

Dieser Beitrag wurde unter Stadtentwicklung veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.