Sonders: „Gemeinsam die Zukunft unserer Stadt gestalten“

Bürgermeister Alfred Sonders

Bürgermeister Alfred Sonders

„Weniger, älter, bunter“, das ist die Kurzformel des demografischen Wandels, dem sich auch unsere Stadt stellen muss. Drei charakteristische Merkmale prägen den Wandel: Statt zu wachsen, schrumpft die Bevölkerung. Dank des medizinischen Fortschritts werden wir immer älter. Aufgrund von Zuwanderung werden wir immer internationaler. Ist der demografische Wandel Bedrohung oder Chance? Alsdorfs Bürgermeister Alfred Sonders hat eine klare Antwort parat: „Er ist eindeutig eine Chance, wenn wir die Zeichen erkennen und wenn wir rechtzeitig handeln.“ Lesen Sie hier das Interview mit dem Bürgermeister und seine Vorstellungen darüber, wie er die Bürgerinnen und Bürger in den Gestaltungsprozess einbeziehen will.

Wir werden nicht nur immer älter, es werden auch immer weniger Kinder geboren. Ist Alsdorf eine aussterbende Stadt?

Alfred Sonders: Nach einer Prognose der StädteRegion Aachen, die den Zeitraum von 2008 bis 2030 betrachtet, nimmt unsere Einwohnerzahl bis 2030 um rund 3.000 Personen ab. Demnach würden in Alsdorf 2030 voraussichtlich knapp 43.000 Menschen wohnen. Das ist die Prognose. Neben der Prognose gibt es die aktuelle Entwicklung in Alsdorf. Unsere Neubaugebiete boomen. Das führt dazu, dass bei uns die Einwohnerzahl im Vergleich zu 2005 bisher nicht gesunken ist. Hinzu kommt, dass wir in Alsdorf die Chance haben, noch weitere Baugebiete auszuweisen, was wir auch geordnet und Schritt für Schritt tun werden. An der Stelle mache ich mir überhaupt keine Sorgen. Bei uns gibt es noch Baugrund zu bezahlbaren Preisen, und das in einer Stadt, wo man in jedem Stadtteil in fünf Minuten im Wald, im Feld oder in einem sonstigen Erholungsgebiet ist.

Dass die Attraktivität Alsdorfs steigt, wird ja mittlerweile auch von Außenstehenden bestätigt. Es steigt aber auch die Zahl der Älteren.

Alfred Sonders: Das ist richtig, und deshalb müssen wir uns Gedanken darüber machen, wie, womit und mit wessen Hilfe wir darauf reagieren. Die Prognose der StädteRegion sagt, dass sich die Zahl der über 8ojährigen bis 2030 verdoppeln wird. Wir brauchen mehr seniorengerechten Wohnraum, möglichst in allen Stadtteilen. In Siedlung Ost werden solche Wohnungen demnächst auf dem ehemaligen Rhenania-Sportplatz gebaut. Da verschwindet dann auch ein Schandfleck, der mir schon lange ein Dorn im Auge ist. Das neue Seniorenzentrum neben der Stadthalle, das kommen wird, bietet seniorengerechte Appartements, betreutes Wohnen und Pflegeplätze. Und wir müssen die Frage beantworten, was wir tun können, dass Oma Schmitz, die noch in ihrer Wohnung wohnt, morgens ihr Brötchen und eine Scheibe Wurst auf dem Frühstücksteller hat?  Und ich will auch, dass Opa Willi in seinem gewohnten Umfeld bleiben kann, wenn es beschwerlicher wird.

Letzteres kann aber eine Stadt gar nicht allein leisten. Welches Engagement kann denn hier genutzt werden?

Alfred Sonders:  Es gibt schon ein vielfältiges Engagement und zahlreiche private Initiativen. Wir haben über 400 Vereine mit 43 verschiedenen Ausrichtungen. Die Stadt hat einen Beirat für Menschen mit Behinderungen und einen Seniorenbeauftragten. Der Integrationsbeauftragte vertritt die Interessen unserer Einwohner mit Migrationshintergrund. Ganz viele Bürgerinnen und Bürger setzen sich für benachteiligte Menschen ein. Alle diese Potenziale will ich nutzen. Wir müssen unsere Zukunft gemeinsam gestalten. Ich lade alle ein, sich einzumischen, Anregungen zu geben. Wer hat gute Ideen? Wer hilft uns, wenn wir alt sind? Wer betreut die Kinder, wenn die Eltern beide arbeiten müssen oder wenn die Mutter alleinerziehend ist? Auch das ist wichtig. Genauso wie wir auf die älter werdende Gesellschaft reagieren müssen, genauso müssen wir dafür sorgen, dass wir für unsere Kinder und Jugendlichen gute Angebote haben. Vom Pampersalter bis zum Berufsabschluss brauchen wir die besten Angebote. Darum kümmern wir uns.

Deshalb werde ich jetzt in alle Stadtteile gehen, gemeinsam mit Experten aus der Stadtverwaltung. Dort will ich Fakten diskutieren, und ich werde Fragen stellen: Welche konkreten Probleme gibt es im Stadtteil? Welche Nachbarschaftshilfen können wir aktivieren und organisieren? Wie können wir es organisieren, dass die Alten den jungen und die jungen den Alten helfen?

Das sind also die Stadtteilgespräche des Bürgermeisters, die jetzt beginnen….

Alfred Sonders: Ganz genau…..

Und dann kann mal richtig schön gemeckert werden?

Alfred Sonders: Genau das eben nicht. Wenn jemand was zu meckern hat, kann er mich jederzeit anrufen, mir schreiben oder in meine Bürgersprechstunde ins Rathaus kommen. Hier kümmere ich mich um jeden Einzelfall gern mithilfe meiner Mitarbeiter/innen. In den Stadtteilgesprächen geht es darum, unterschiedliche Kompetenzen, Ideen, Sachverstand und vielfältiges, schon vorhandenes Engagement zu bündeln. Das letzte Stadtteilgespräch werde ich am 15. Juli 2013 führen. Danach fasse ich alle Erfahrungen, Wünsche, Ideen, Angebote zusammen, stelle sie im Rat zur Diskussion und wir werden in einem neuen gemeinsamen Bürgergespräch festlegen, wie wir gemeinsam dafür sorgen, dass für Alsdorf der demografische Wandel nicht Bedrohung sondern Chance ist.

 

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