Emotionen und Standing Ovations beim Neujahrsempfang

Beim Neujahrsempfang 2016 dankte Bürgermeister Alfred Sonders den ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern für ihren Einsatz. Foto: apa

Beim Neujahrsempfang 2016 dankte Bürgermeister Alfred Sonders den ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern für ihren Einsatz. Foto: apa

Bewegende Augenblicke prägten den Neujahrsempfang der Stadt Alsdorf in der Stadthalle. Als Alfred Sonders Alsdorfs jüngsten Flüchtlingshelfer, den zehn Jahre alten Din Gutic zu sich auf die Bühne rief, ließen die Gefühle beinahe die Stimme des Bürgermeisters versagen. Alfred Sonders war es an diesem Abend wichtig, zu allererst den rund 300 Flüchtlingshelfern in der Stadt zu danken. Zugleich machte Sonders deutlich, dass zwei Grundsätze für ihn unumstößlich sind. Für ihn sei es selbstverständlich, dass den Menschen, die vor Krieg und Terror ihre Heimat verlassen mussten, Zuflucht gewährt werde. Und, so Sonders: „Alles, was wir für die Menschen tun, die Zuflucht suchen und zu uns kommen, müssen wir so tun, dass die eigene Bevölkerung darunter nicht leidet. Das haben wir bisher geschafft.“

Din Gutic ist der jüngste Flüchtlingshelfer in Alsdorf. Wier alle anderen erhielt er vom Bürgermeister eine Dankeschön-Urkunde. Foto: apa

Din Gutic ist Alsdorfs jüngster Flüchtlingshelfer. Wie alle anderen erhielt er vom Bürgermeister eine Dankeschön-Urkunde. Foto: apa

Als alle im Saal anwesenden Flüchtlingshelfer gemeinsam mit Din Gutic und Alfred Sonders auf der Bühne standen, erhoben sich die Gäste des Neujahrsempfangs von ihren Plätzen und würdigten sie mit lang anhaltendem Beifall. Emotional wurde es auch, als nach der Rede des Bürgermeisters die Vertreter der großen Hilfsorganisationen spontan auf die Bühne kamen, um ihrerseits Alfred Sonders zu danken. Über die Ehrung als Flüchtlingshelfer hätten sie sich sehr gefreut. Aber Alfred Sonders habe das erst möglich gemacht, weil er alle zusammengetrommelt und an einen Tisch geholt habe. Die Vertreter der Hilfsorganisationen griffen die Aussage des Bürgermeisters auf, er sei stolz auf die vielen ehrenamtlich engagierten Menschen in Alsdorf: „Genau so stolz sind wir auf Dich.“
Wir veröffentlichen hier den ersten Teil der Rede, mit dem Bürgermeister Alfred Sonders den Neujahrsempfang 2016 in der voll besetzten Stadthalle eröffnet hat:


Auszug aus der Rede von Bürgermeister Alfred Sonders beim Neujahrsempfang der Stadt Alsdorf 2016:

Bürgermeister Alfred Sonders.

Bürgermeister Alfred Sonders sprach über Grundsätze seiner Arbeit.

„Gesichter sagen mehr als 1000 Worte. Dieses Motto stelle ich ganz bewusst an den Anfang unseres Neujahrsempfangs. Denn das vergangene Jahr war auch in unserer Stadt stark dadurch geprägt, dass wir viele Gäste willkommen geheißen und bei uns aufgenommen haben. Darunter sehr viele Menschen auf der Flucht vor Krieg und Terror. Ein Terror, der auch uns durch die Attentate in Paris wie in Verviers so nahe gekommen ist. Es kamen mehr Menschen zu uns als je zuvor. Für alle Kommunen, auch für Alsdorf, ist das eine Herausforderung, die wir uns noch vor Jahresfrist nicht ausgemalt hätten. Aber, wir haben diese Situation bisher gemeinsam gemeistert, und wir wollen diese große Aufgabe auch weiterhin gemeinsam meistern. Für mich sind zwei Dinge selbstverständlich:

– Für mich ist es selbstverständlich, dass wir den Menschen, die vor Krieg und Terror ihre Heimat verlassen mussten, Zuflucht gewähren. Das sage ich als Christ, aber das sage ich auch als Bürgermeister, der jeden Tag aufs Neue sieht, welche Kraft uns das abverlangt. Wir sind eine humanitäre Gesellschaft, und ich will, dass das so bleibt.

– Der zweite Grundsatz, der für mich genauso selbstverständlich ist, der lautet: Alles, was wir für die Menschen tun, die Zuflucht suchen und zu uns kommen, müssen wir so tun, dass die eigene Bevölkerung darunter nicht leidet. Das haben wir bisher geschafft. Wir haben weiter in unsere Infrastruktur investiert, wir haben weiter in unsere Schulen und in unsere Vereine investiert. Und ich bin sehr dankbar, dass viele private Investoren bereit waren und weiterhin bereit sind, Wohnraum für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen oder neu zu schaffen. Das trägt dazu bei, dass es auf dem Wohnungsmarkt keine Verwerfungen gibt.

Auch wir als Stadt müssen dazu unseren Beitrag leisten. Wir werden zusätzliche Flüchtlingsunterkünfte schaffen müssen, damit für die eigene Bevölkerung genügend Wohnraum erhalten bleibt. Es werden weiterhin Neubaugebiete in Alsdorf ausgewiesen. Es werden weiterhin seniorengerechte Wohnungen geschaffen. Und wir werden uns auch dafür anstrengen müssen, dass genügend preiswerter Wohnraum für Menschen mit geringem Einkommen zur Verfügung steht.

Alles das werden wir weiter tun können, wenn die Rahmenbedingungen weiter verbessert werden. Bund und Land haben den Kommunen zwar mittlerweile fast doppelt so viele Finanzhilfen für die Versorgung von Flüchtlingen zur Verfügung gestellt, wie früher. Das ist die gute Nachricht. Aber: Wir müssen fordern und erwarten, dass der Bund auf der Grundlage seines Haushaltsüberschusses von über zwölf Milliarden Euro den Städten und Gemeinden so unter die Arme greift, dass sie ihre Aufgaben erledigen können; damit unsere Gesellschaft zusammen bleibt. Die Gemeindeseite kann nicht weiter zuschießen, auch wenn der prozentuale Anteil noch so gering erscheint. Wir brauchen 100 Prozent Erstattung, wir können kein Geld mehr dazugeben, denn unsere Leistung ist viel höher: Wir organisieren alles vor Ort – mit vielen Mitarbeitern und unzähligen Freiwilligen.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, der Staat allein kann nicht alles leisten. Die große Herausforderung, die wir derzeit bestehen müssen, wäre überhaupt nicht zu schaffen, wenn nicht viele von Ihnen die Ärmel hochgekrempelt und tatkräftig dabei geholfen hätten. Unzählige haben gespendet. Unternehmen, Privatpersonen, Schulen, und, und, und. Das mag ich an Alsdorf. Und ich bin stolz darauf, dass sich in unserer Stadt rund 300 Helferinnen und Helfer gefunden haben, die anpacken und den teils schwer traumatisierten Menschen, die zu uns kommen, beim Start in ihr neues Leben Unterstützung zukommen lassen. Und ich weiß, dass das nicht immer einfach ist, denn es gibt auch Flüchtlinge, die sich schwer tun, sich an unsere Standards und Erwartungen zu gewöhnen. Dazu bedarf es intensiver Betreuung und auch Geduld und Verständnis.
Was mich besonderes berührt hat, das ist die Geschichte des jungen Din Gutic aus Kellersberg. Din ist heute Abend bei uns, und deshalb bitte ich Dich lieber Din, jetzt mal zu mir auf die Bühne.

Lieber Din, Du bist unser jüngster Flüchtlingshelfer. Du hast spontan gesagt: Ich will auch was tun. Du sprichst mehrere Sprachen, Du sorgst als Dolmetscher und Spielkamerad dafür, den Menschen, die hier angekommen sind, den Start in ein neues Leben leichter zu machen. Du bist ein leuchtendes Beispiel. Das verdient Respekt, und das verdient einen besonderen Applaus.

Du bist aber heute Abend nicht der einzige Helfer, hier in unserer Stadthalle. Ich weiß, dass weitere Helferinnen und Helfer heute hier zu Gast beim Neujahrsempfang sind. Deshalb bitte ich auch sie, alle diejenigen, die – auf welche Art und Weise auch immer – etwas für Flüchtlinge tun oder getan haben: Kommen auch Sie jetzt bitte einmal zu unserem jungen Din Gutic und zu mir auf die Bühne. Denn Ihnen gebührt unser aller Beifall. Kommen Sie bitte auf die Bühne und lassen sie uns gemeinsam zeigen, dass wir in Alsdorf für unsere Werte einstehen.

Liebe Helferinnen und Helfer, ich bewundere Ihr Engagement und Ihre Leistung, die Sie in dieser Situation vollbringen. Unsere Stadt kann stolz auf Sie sein, so wie ich es bin. Ohne Sie wären die Aufgaben, die auf uns zugekommen sind und die noch auf uns zukommen werden, nicht zu bewältigen. Vielen Dank dafür. Lassen Sie bitte nicht locker, machen Sie weiter so, auch wenn es sicher Situationen gibt, die nicht ganz einfach sind. Lassen Sie sich nicht frustrieren durch Misserfolge. Manche Dinge brauchen Zeit und mancher Flüchtling auch, um sich an unsere Standards zu gewöhnen. Alsdorf braucht Sie. Und die Gäste, die als Flüchtlinge zu uns gekommen sind, brauchen Sie auch. Gehen Sie weiterhin mit gutem Beispiel voran.

Ein besonders Dankeschön sei mir an dieser Stelle gestattet, und zwar an meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rathaus und allen weiteren Dienststellen: Ihr Einsatz auch 2015 war bemerkenswert. Ihr Engagement insbesondere beim Thema Flüchtlingsbetreuung ist außergewöhnlich. Ich danke Ihnen allen sehr dafür. Und ich denke, dass den Kolleginnen und Kollegen im Jugendamt und im Sozialamt besondere Anerkennung gilt, die Tag und Nacht, auch an Wochenenden, Monate lang bereit standen um alles zu schaffen. Danke!“

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