Im Hauptausschuss kochten die Emotionen hoch

Wenn die Emotionen hochkochen, dringen nüchterne, an Fakten orientierte Argumente nicht durch. Diese Erfahrung machte in der letzten Hauptausschusssitzung des Stadtrates auch Ralf Kahlen. Der erste Beigeordnete der Stadt hatte die Verkehrssituation in der Siedlung Begau untersuchen lassen. Die Ergebnisse trug er in besagter Sitzung vor. Aber seine Argumente hatten keine Chance gegen die subjektiven Empfindungen der Begauer Siedler, die an der Sitzung teilnahmen und sich in der Bürgerfragestunde des Hauptausschusses ihren Ärger von der Seele redeten. Und nicht nur das. Ein Vertreter der Siedler unterstellte Kahlen sogar, er verhalte sich arrogant und nehme die Begauer
nicht ernst.

Hätte sich die Stadtverwaltung auf dieses Niveau eingelassen, wäre der Dialog schnell beendet gewesen. Und die Wort führenden Begauer hätten nach einer Abkühlphase erkannt, dass niemand seinem Anliegen einen Gefallen tut, wenn er die eigene Meinung im Zentrum der Welt verortet. Im Hauptausschuss war es der Besonnenheit der Verwaltung, der Professionalität des ersten Beigeordneten Ralf Kahlen dem vermittelnden Talent von Bürgermeister Alfred Sonders und – im späteren Verlauf der Sitzung – einem Kompromissvorschlag von SPD-Fraktionschef Detlef Loosz  zu verdanken, dass nichts eskalierte. Also betrachten wir an dieser Stelle noch einmal die unterschiedlichen Sichtweisen.


Martin Hellhammer, Begauer Siedler, engagierter  Pensionär  und Speerspitze von 40 weiteren Begauern hatte in Beschwerdebriefen und im Hauptausschuss beklagt, dass seit Entfernen von Verbotsschildern für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht Schwerlastverkehr durch die Siedlung „brettert“, Unfälle verursacht, beim Manövrieren über Gehwege fährt und „immer wieder durch Vorgärten pflügt“. Die Straßen der Begauer Siedlung seien viel zu eng, und deshalb müsse der Durchgangsverkehr über 3,5 Tonnen wieder verboten werden; Ausnahme: „Anlieger und Linienverkehr“.

Auch die Siedlergemeinschaft Begau schickte einen Hilferuf an den Bürgermeister. „Da sich im Bereich der Siedlung Alsdorf-Begau der Schwerlastverkehr immens erhöht hat, bitten wir im Namen der Siedlergemeinschaft Begau die Verbotsschilder für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen wieder aufzustellen“, hieß im Schreiben vom 3. April. Zudem wies  die besorgte Siedlergemeinschaft darauf hin, dass in den letzten Wochen „im Bereich Gartenstraße/Paulstraße zwei  gravierende Unfälle passiert“ seien. Übrigens:
Vorsitzender der Siedlergemeinschaft ist der SPD-Ratsherr Friedhelm Krämer.

Es war klar, jetzt musste der Bürgermeister reagieren. Und wer Alfred Sonders kennt, der weiß auch, dass der nichts auf sitzen lässt. Die Verwaltung wurde aktiv. Das Ergebnis, das sie jetzt im Hauptausschuss des Stadtrates präsentierte,  ist überraschend. Nachdem es schon in der Vergangenheit mehrere Verkehrszählungen in Begau gegeben hatte, ordnete die Verwaltung eine neue „Beweisaufnahmen“ an. An fünf Tagen im Mai wurde zu unterschiedlichen Zeitern erneut gezählt. Und zwar nicht nur mit Strichliste. Auch die Kennzeichen wurden erfasst, von allen „LKW“, die an der Einmündung Alter Römerweg/Eschweiler Straße und an der Einmündung Alter Römerweg/St.-Jöris-Straße in die Siedlung hinein oder aus ihr heraus fuhren.

Das Ergebnis: In sieben Stunden wurden an der Einmündung Eschweiler Straße 25 Fahrzeuge gezählt, die in den Römerweg fuhren, an der Einmündung St.-Jöris-Straße  13
Fahrzeuge. Insgesamt nur neun dieser 38 Fahrzeuge nutzten den Alten Römerweg in
diesen sieben Stunden als Verbindung zwischen den beiden Einmündungen: Nämlich
fünf Schul- und Linienverkehrbusse und viermal Traktoren eines anliegenden
landwirtschaftlichen Betriebes.

Bleibt die Frage: Was war mit den anderen 29 Fahrzeugen? Die amtliche Antwort der Verwaltung: „Bei den übrigen Fahrzeugen haben die Halterfeststellungen ergeben, dass es sich in erster Linie um Fahrzeuge von Gewerbebetrieben handelte, denen ein Anliegen in der Siedlung Begau unterstellt werden kann – Müllfahrzeug, Getränkelieferant, Gartenbaubetrieb, DHL etc. Zwei Fahrzeuge waren zugelassen auf einen Anwohner
der Straße Auf der Weide, ein Fahrzeug auf ein in der St.-Jöris-Straße  ansässiges Bauunternehmen.“ Zitat Ende.

So weit, so gut oder auch nicht. Die Verwaltung ging auch der Sache mit den „gravierenden Unfällen“ auf den Grund. Wer kann das besser klären als die Polizei? Die Polizei teilte mit, dass „die Siedlung Begau in Bezug auf die Unfalllage unauffällig“ ist. Vom 1. Januar 2008 bis zum 19. April 2011 habe sich in der Siedlung kein gravierender Unfall mit Personenschaden oder schwerem Sachschaden ereignet.  Am 31. März 2011 wurde angezeigt, dass ein LKW an der Ecke Gartenstraße Paulstraße eine Hecke beschädigt hatte. Soweit die Unterlagen der Polizei.

Fazit der Verwaltung, die für die bisherigen Untersuchungen in Sachen Siedlung Begau einen finanziellen Aufwand von rund 4000 Euro nannte: Die Faktenlage gibt keinen Raum für verkehrseinschränkende Maßnahmen. Das wiederum erzürnte die an der Sitzung des Hauptausschusses  teilnehmenden Begauer. Sie bezweifelten die Fakten und beschimpften, wie oben schon beschrieben, den Beigeordneten Ralf Kahlen.  Der gefundene Kompromiss auf Vorschlag von Fraktionsvorsitzendem Loosz: Es soll mit den Bürgerinnen und Bürgern über die gesamte Verkehrssituation in der Siedlung Begau gesprochen werden. Bürgermeister Alfred Sonders möchte den Dialog mit den Begauern im Rahmen einer  Stadtteilkonferenz führen. Der Hauptausschuss wird sich dann erneut mit dem Thema befassen. Bleibt festzuhalten: Die besorgten Begauer haben „einen Teilerfolg  errungen“, wie die Tageszeitung schrieb. Und wir hoffen, dass die Begauer künftig etwas freundlicher und gerechter zu Ralf Kahlen sind.

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5 Kommentare zu Im Hauptausschuss kochten die Emotionen hoch

  1. SPD Alsdorf sagt:

    Auszug aus einem Kommentar in Aachener Nachrichten/Aachener Zeitung vom 16. Juli 2011:

    Begau in Alsdorf ist nur ein Beispiel für viele Ortschaften im Nordkreis und ringsherum. Vor Jahrzehnten für Neuansiedlungen angelegte Straßen sind angesichts des enorm gewachsenen Verkehrsaufkommens „überfordert“. Leidtragende sind Anlieger und Autofahrer gleichermaßen. Wohin mit dem Blech? Da ist es richtig, dass die Alsdorfer Verwaltung das Thema grundsätzlich angehen will und andere Themen gleich mit. Mit den Bürgern vor Ort soll gesprochen werden, in ein paar Monaten. Und zwischenzeitlich will man die Sache im Auge behalten – wenn das mal nicht ins Auge geht …

  2. Eine Bürgerin sagt:

    Ich war im Hauptausschusses. Das war unterhalb der Gürtellinie, wie Herr Hellhammer mit Herrn Kahlen umging. So etwas gehört sich nicht.

  3. SPD Alsdorf sagt:

    1998 wurde ein neuer Gebietsentwicklungsplan für die Neubaugebiete in Hoengen-Mariadorf aufgestellt. Es wurde auch die Frage geklärt, wie die zusätzlichen Abwässer entsorgt werden und was dafür am vorhandenen Kanalnetz geschehen muss. Für das offene Becken Pützdriesch/Bergstraße wurden zwei Varianten überprüft: Optimieren oder außer Betrieb nehmen. Bei einer Optimierung hätte die Obere Wasserbehörde verlangt, aus dem bis dahin offenen ein geschlossenes Becken zu machen. Hintergrund: Hygienische Gefährdungen der Wohngebiete müssen ausgeschlossen werden. Eine sehr teure Angelegenheit.

    Es griff die Variante 2: Das Becken wurde außer Betrieb genommen, weil das vorhandene Netz mit einem Stauraumkanal (Schillerstraße) und zusätzlicher Erweiterung der Kanaldimension (Pützdrieschstraße) ausreichend „hydraulische Kapazität“ erhalten konnte. Also wurde ein größerer Kanal in der Pützdrieschstraße verlegt und im Jahr 2005 das Becken stillgelegt.

  4. SPD Alsdorf sagt:

    Lieber Alexander, Danke für die Blumen. Unsere Homepage ist auch ein Blog. Wir veröffentlichen jede Meinung, so lange die im Netz übliche Netikette nicht verletzt wird. Im übrigen gilt der Satz: Wer jedermanns Liebling sein will, macht sich zu jedermanns Depp.

  5. Barbara sagt:

    @ Peter S.: Kritik ist grundsätzlich etwas Positives. Aber „Anton Bernd“ ist doch ganz offensichtlich einer, der nicht auf Missstände oder Fehler hinweisen will. Hier arbeitet jemand einen Komplex ab und unterstellt Andersdenkenden nur Schlechtes. Wo sind die alternativ-Vorschläge? Die eigenen Ideen? Wie will dieser „Anton Bernd“ denn belegen, dass im Hauptausschuss Begauer Bürger von der Verwaltung nur ruhiggestellt werden sollten? Das ist doch völlig neben der Spur. Wer nur mit Unterstellungen arbeitet, lieber Peter S., der ist kein Mensch der etwas zu Ende denkt. Wer so agiert, der tut mir fast schon wieder leid.

    So, das wollte ich mal feststellen. Aber jetzt werde ich mich auf diesem Blog nicht mehr zu „Anton Bernd“ äußern. Mir ist es wichtiger, dass sich die Alsdorfer SPD mit neuen Inhalten und mit neuen Köpfen gut aufgestellt hat. Und dieser Bürgermeister ist ein Glücksfall für Alsdorf.

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