Wie die Jöngsjer, su maache et och die Mädcher – Oder: Was das Denkmal vom Schofeberjer Jöngsje uns zu erzählen hat

Heute machen wir mal eine Ausnahme. Denn eigentlich gehören die Beiträge der Blogger zu unseren Berichten in die Rubrik „Kommentare“. Und wenn wir meinen, einzelne Kommentare selbst kommentieren zu müssen – was ganz selten vorkommt – dann tun wir das selbstverständlich auch in dieser Rubrik. Aber, der Beitrag von Sandra Brocks, der erfordert wirklich diese Ausnahme. Sie hatte den Artikel „Wenn Schofeberjer Jöngsjer ins Sommerloch fallen“ vom 06.08.2011 gelesen und schrieb uns: „Da ich ursprünglich aus dem Münsterland komme, kenne ich die Bedeutung des ‚Schofeberjer Jöngsje‘ leider auch nicht. Können Sie sie mir bitte erklären?“ Ja, liebe Sandra, ihren Wunsch erfüllen wir sehr gerne.

Im Artikel vom 06.08.2011 war ja schon die Rede davon, dass die Schaufenberger ein ganz besonderes Völkchen sind. Wer dort nicht zu Hause ist, könnte meinen, die Schaufenberger seien „Fremden“ gegenüber etwas verschlossen. Aber, das stimmt nicht. Es ist nur so, dass die Schaufenberger, zumal die „Echten“, also die dort geborenen, sich mit ihrem Geburtsort ganz besonders eng verbunden fühlen. Übrigens auch dann, wenn sie gar nicht mehr in Schaufenberg wohnen. Für sie ist Schaufenberg (gesprochen: Schoofebäerch) das  wichtigste Fleckchen Erdeauf der ganzen Welt. Das merkt man ihnen an, was dann schnell mit „verschlossen sein“ verwechselt wird. Jedoch: Genauso so toll, wie die Schaufenberger feiern können, ganz aufgeschlossen auch mit Nicht-Schaufenbergern feiern können, genau so toll lieben sie ihren ganz besonderen Alsdorfer Ortsteil. Die Schaufenberger sind also anderenorts Geborenen gegenüber nicht verschlossen – sie wissen nur, dass sie etwas haben, was andere nicht haben.

Neben dieser großen Heimatliebe wird den Schaufenbergern, die übrigens auch mit Leib und Seele Vereinsmenschen sind, eine gewisse Schlagfertigkeit und Schnelligkeit im Denken nachgesagt. Schon die Schaufenberger Kinder sind nicht auf den Mund gefallen – und auch sie raufen und spielen am liebsten in ihrem Ort. So ein waschechter Schaufenberger Junge war der 1980 verstorbene Franz Keller. Der Sohn einer Bergarbeiterfamilie, selbst viele Jahre Bergmann, war Vereinsmensch – und Heimatdichter. Seine große Heimatliebe zu seinem Schaufenberg hat er in zahlreichen Mundartgedichten und Büttenreden liebevoll beschrieben. Er war einer von denen, die in ihrer mundartlichen Sprache Momente, Begebenheiten, Alltägliches so festhalten können, dass andere sich angesprochen, sich erinnert fühlen oder sich selbst wie in einem Spiegel erkennen. In diesen Momenten kann es passieren, dass die so angesprochenen Menschen plötzlich ihre eigene Vertrautheit mit dem Heimatort neu- oder wiederentdecken. Auch ihre Liebe zum Heimatort neu entdecken. Deshalb ist das, was Franz Keller uns hinterlassen hat, so wertvoll.

Übrigens: Alsdorfs  Bergbaumuseumsverein „Anna“ hat die Werke Franz Kellers gedruckt herausgegeben. Wir werden mal nachfragen, ob es noch Restexemplare der Heftchen gibt.

In einem seiner Gedichte hat Franz Keller seine Erlebnisse als Schaufenberger Junge beschrieben. Das ist sein bekanntestes Gedicht. Diesem Gedicht von Franz Keller, dem Schofeberjer Jöngsje, wurde das gleichnamige Denkmal gesetzt. Ebenfalls von einem echten Schofeberjer Jöngsje, nämlich Manfred Rohr, wie ebenfalls schon im Artikel erwähnt. So, wie Franz Keller es zu Lebzeiten getan hat, zeigt uns nun das Denkmal des Schofeberjer Jöngsje den Weg zu unseren eigenen Wurzeln. Das ist wichtig. Denn, wer seine Heimat liebt, der findet seine eigene Mitte und schöpft daraus Kraft, Zuversicht, Lebensfreude. So, wie es die Schofeberger Jöngsjer zu jeder Zeit getan haben und immer tun werden. Und – so wie die Jöngsjer, machen das auch die Schofeberger Mädcher, denen man nachsagt, etwas besonders Leckeres zu sein. Die Schofeberjer Jöngsjer wissen schon, wie der Autor dieser mit großer Zuneigung zu Schaufenberg geschriebenen Zeilen das meint.

Das von Manfred Rohr gestifte Denkmal vom "Schofeberjer Jöngsje" erinnert an ein Schaufenberger Original un daran, was die Schaufenberger so besonders macht.

Das von Manfred Rohr gestifte Denkmal des "Schofeberjer Jöngsje" erinnert an Franz Keller und daran, was bei Schaufenbergern vielleicht etwas anders ist als bei anderen. Es ist äußeres Zeichen tief wurzelnder Heimatliebe.

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10 Kommentare zu Wie die Jöngsjer, su maache et och die Mädcher – Oder: Was das Denkmal vom Schofeberjer Jöngsje uns zu erzählen hat

  1. Konrad Krämer sagt:

    Ich bin in Schaufenberg geboren!!! Ist Manfred Rohr das denn nun wirklich auch???
    Is dat Jöngsje ganz und gar aus eigenem Geldbeutel bezahlt worden, oder hat es auch noch andere Spender gegeben, ich weis es nicht, ist aber eine gute Frage, oder?
    Herzlichen Gruß aus Schaufenberg

  2. Axel W. sagt:

    @ Konrad Krämer: Es stimmt tatsächlich, die Schaufenberger sind ein eigenes Völkchen.

  3. Werner Sebald sagt:

    Lieber Herr Krämer.
    Zur Frage 1. Nein. Ich weiß aus seinen Ausführungen, dass er nahe Köln/Bonn geboren wurde.
    Zur Frage 2. Er hat seinen 50. Geburtstag dazu genuzt Spenden für die Statue zu sammeln.

    Gefragt wurde damals in Dorf aber niemand ob die Statue an dieser Stelle seinen Platz fand. Auch die Kastanie wurde ohne die Dorfbewohner zu fragen gepflanzt. Die Blätter werden ja von anderen entsorgt.
    Wer sich aber immer wieder „Schmücken“ muss hat doch ein Selbstherrlichkeits problemchen. Es ist nicht immer so wie „Es“ erzählt wird. Im Hintergrund wir sehr viel mehr Druck gemacht als „Es“ den Anschein hat.
    Früher konnte wohl man mehr umsetzen als Heutzutage. Einfach machen konnte man früher. Heute ist das wie es ausschaut nicht mehr so einfach. Gute Ideen werden wie man Hier lesen kann mal einfach zermürbt und unter großer Anstrengung zu nichte (versucht) zu machen.
    Ja dann Prost und…. sehr gut aufgepasst Herr Krämer.

  4. Konrad Krämer sagt:

    ja, das ist richtig und da sind wir auch stolz drauf

  5. Jörg sagt:

    Herr Krämer mit diesen Kommentar haben Sie wohl über´s Ziel hinaus geschossen. Ist etwas verwerfliches daran, nicht in Schaufenberg geboren zu sein und sich dennoch für diesen Ort einzusetzen? Ist es verwerflich eine Sache für die man steht, durch Spenden (auch durch Verzicht auf Geschenke) oder Sponsoren umzusetzen? Sie stellen das hier so dar. Vor mehr als 2 Jahren wurde auf einem Fest in Schaufenberg genau diese Methode angewandt, um einen Wasserspielplatz am kath. Kindergarten zu schaffen. Dieser ist leider noch immer nicht fertiggestellt und wird wie man hört pö a pö an Ihrer Arbeitsstätte, der Fachhochschule in Aachen, gefertigt. Wird dies jetzt durch unsere Steuergelder finanziert, weil das Geld evtl. anderweitig ausgegeben ist? Ich weis es nicht, ist aber eine gute Frage, oder?

    Herzlichen Gruß aus Schaufenberg

  6. Konrad Krämer sagt:

    Dann gilt also der Dank für unser Jöngsje dem Manfred Rohr allein, danke Manfred Rohr.
    Und an den Denkmalausschuß ( mit Mehrheit unsere Vereine aus dem Dorf ) auch ein Dank, denn die kümmern sich einiger Zeit darum.

  7. Sebastian Vingst sagt:

    Super, Freunde. Ihr habt ja Sorgen. Ein Glück, dass es in eurem Stadtrat auch noch ein paar vernünftige Köpfe gibt.

    Herzlichen Gruß nach Schaufensdorf.

  8. Jörg sagt:

    Die Idee von Toni Baumanns, dem langjährigen Präsidenten des Festkomitee Alsdorfer Karneval, einen Karnevalsbrunnen im Alsdorfer Zentrum zu errichten, wurde im Jahre 1998 vom Festausschuss Alsdorfer Karneval unter dem damaligen Vorsitzenden Klaus Pohlmann aufgegriffen mit dem Ziel, dieses Projekt mit Hilfe von Sponsoren zu verwirklichen.
    Die notwendigen Gesamtkosten von ca. 210.000 DM wurden ausschließlich durch Sponsoren gestiftet, so dass der Brunnen, wie im Modell vorgesehen, gefertigt werden konnte. In einem Festakt am 6. Mai 2001 konnte das Narrenschiff der Alsdorfer Bevölkerung übergeben werden. Gepflegt wird dieser Brunnen bestimmt nicht durch den Festausschuss, wettern Sie hier auch so dagegen? Beide Projekte sind eine Bereicherung für Alsdorf und der Pflegeaufwand hält sich ja wohl in Grenzen. Gestrichen werden, muss die Bronze ja wohl nicht und mit Politur war da wohl auch niemand zu Werke. Hören Sie doch einfach mal auf mit Ihrer Treterei nach Herrn Rohr. Wenn Sie das was er für die Schaufenberger Vereine geleistet hat (auch finanziell) von sich behaupten können, wüssten Sie das sich so etwas nicht gehört.

  9. Peter S. sagt:

    Es stimmt nachdenklich, dass Jörg hier mehrfach so empfindlich reagiert. Und im übrigen: Mögen Herr Jörg und Herr Krämer sich auch noch so sehr die Haare raufen, im Artikel übers Jöngse ist Manni Rohr voll okay dargestellt worden. Und wem dazu nichts anderes einfällt: Gute Nacht, Freunde!

  10. spdadmin sagt:

    Herr Jörg ?, um der Wahrheit genüge zu tun und um Unterstellungen keinen Raum zu geben, stellen wir in Sachen Wasserspielplatz am kath. Kindergarten fest:

    Nach den uns vorliegenden Informationen ist der Wasserspielplatz bis auf wenige Restarbeiten fertig. Auszubildende der FH haben im Rahmen ihrer Ausbildung Material für den Wasserspielplatz verarbeitet. Die Kosten für das Material wurden der FH aus den Spendengeldern erstattet. Es ist weder etwas aus Steuergeldern finanziert noch Geld anderweitig ausgegeben worden. Uns ist es wichtig, die von Ihnen aufgeworfenen Fragen nicht im Raum stehen zu lassen, damit Ihnen nicht der Versuch böswilliger Verleumdung unterstellt werden kann.

    Vor allem aber ist es uns wichtig, das Personen, die an verantwortlicher Stelle im kath. Kindergarten hervorragende Arbeit leisten, nicht durch haltlose Verdächtigungen ins Zwielicht gestellt werden.

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