Der Weg der Alsdorfer SPD im Zeitraffer seit 1900

Ein geschichtlicher Aufriss von Hans Vorpeil

I. Vorbemerkung

Im Jahr 1900 gründeten Wilhelm Lüsgens, Karl Franken, Eduard Schillings, Wilhelm Haaken und Heinrich Lürkens den SPD-Ortsverein Alsdorf. Dieser Ortsverein nahm nach der Gründung auch einige Einzelmitglieder aus Merkstein, Baesweiler und Herzogenrath auf, weil diese Gemeinden so früh noch nicht über eigene Ortsvereine verfügten. In der Folgezeit, bis zur Verfolgung durch die Nazis ab 1933, war die Alsdorfer SPD im Rat der Gemeinde Alsdorf mit stetig steigendem Einfluss vertreten.

Nach Ende des 2. Weltkriegs wurde 1946 durch die englische Besatzungsmacht ein Bürgermeister eingesetzt. Die ersten freien Kommunalwahlen für kreisangehörige Gemeinden fanden im Jahr 1948 statt, nachdem die kreisfreien Städte und Kreistage bereits 1946 die ersten Wahlen durchführen durften. Bei diesen Wahlen gab es einen Mix von freien Kandidaten und von der Besatzungsmacht eingesetzten politischen Spitzenpositionen.

Anton Schleibach - erster Bürgermeister der Stadt Alsdorf

Erster Bürgermeister der Stadt Alsdorf wurde der SPD-Politiker Anton Schleibach. Die SPD stellte 1948 die stärkste Fraktion, vor der CDU.

Bis auf die Kommunalwahl 1952, wonach die CDU mit zwei Sitzen mehr als die SPD die stärkste Fraktion stellte, aber keine absolute Mehrheit hatte, war bei allen folgenden Kommunalwahlen der Jahre 1956, 1960, 1964 und 1969, bis zur kommunalen Neugliederung 1972, die SPD vorne. In dieser Zeit war durchgehend bis Ende 1971, der Auflösung des Rates zur Umsetzung der kommunalen Neugliederung, Anton Schleibach über 23 Jahre ununterbrochen Bürgermeister der Stadt Alsdorf.

Die SPD war von 1956 durchgehend bis zum Jahr 1994 in der politischen Verantwortung. 1972, 1975, 1979, 1984 und 1989 gewann die SPD sogar  bei den Kommunalwahlen jeweils die absolute Mehrheit. 1994 wurde die SPD, bedingt durch eigenes Fehlverhalten, zum ersten Mal nach 38 Jahren aus der politischen Verantwortung für die Stadt abgewählt. Es folgte eine zehnjährige Oppositionszeit bis 2004.

II. 1972: Die kommunale Neugliederung

Hans Ferner - Elf Jahre Landtagsabgeordneter von Juni 1966 bis Juli 1970 und von Juni 1975 bis Oktober 1982

Vor der „Kommunalen Neugliederung“ gab es in der alten Stadt Alsdorf nur einen SPD-Ortsverein mit ungefähr 750 Mitgliedern. Hans Ferner aus Siedlung Ost war Vorsitzender und auch zu diesem Zeitpunkt Stadtverordneter im Rat der Stadt Alsdorf. Die Parteigeschäftsstelle war im 2. Stock des Konfektionsgeschäftes Kleinefeld angemietet; Broicher Straße 1. In Hoengen gab es zu jener Zeit  ebenfalls nur einen Ortsverein der SPD, den Ortsverein Mariadorf/Hoengen mit rund 450 Mitgliedern. Vorsitzender war Josef Thelen, der in der Gemeinde Hoengen bis zur Neugliederung stellv. Bürgermeister war. Die SPD befand sich dort in der Opposition.

Am 31. Dezember 1971 wurden die Räte in den an der kommunalen Neugliederung beteiligten Gemeinden aufgelöst. Für die Übergangsphase bis zur verwaltungsmäßigen Zusammenführung und zur organisatorischen Vorbereitung der (Vereinigungs-) Kommunalwahlen wurden durch das Land NRW überall örtliche Kommunalbeauftragte, sog. „Kommissare“ eingesetzt. Für die neue Stadt Alsdorf hatte die Bezirksregierung Köln den Alsdorfer SPD-Kommunalpolitiker und Landtagsabgeordneten Hans Ferner dazu ernannt; er übte diese Funktion ab 01. Januar 1972 bis zum 10. Mai 1972 aus.

Am 23. April 1972 wurde die „Kommunale Neugliederung“ durch die Neuwahl eines gemeinsamen Stadtrates für die neue, größere Stadt Alsdorf vollzogen. Nach dem Aachen-Gesetz, § 4 wurden die alte Stadt Alsdorf und die bis dahin selbständige Gemeinde Hoengen/Mariadorf (mit Broicher Siedlung, Warden und Begau) sowie die Gebietsteile  Bettendorf und Duffesheide zur neuen Stadt Alsdorf zusammengelegt. Damit vergrößerte sich die Bevölkerungszahl in der Stadt Alsdorf von rund 31.700 auf rund 49.900 Einwohner. Am 10. Mai 1972 war die konstituierende Stadtratssitzung.

Die SPD-Ortsvereine Alsdorf und Mariadorf/Hoengen waren natürlich auf die Kommunale Neugliederung vorbereitet worden und hatten ihre organisatorischen Möglichkeiten und Erwartungen frühzeitig einvernehmlich beraten. So wurde im Frühjahr 1972 in der Vorbereitung der ersten Kommunalwahlen für die neue Stadt Alsdorf der SPD-Stadtverband Alsdorf gegründet. Grund war neben der Tatsache, dass man jetzt zwei Ortsvereine in Alsdorf hatte, auch die Einsicht, den zu groß gewordenen Ortsverein Alsdorf aufzulösen und die Parteiarbeit durch sechs neue Ortsvereine in den einzelnen Stadtteilen zu optimieren. Hierdurch sollte mehr Effizienz und örtliche Präsenz erzielt werden. Die neuen SPD-Ortsvereine in Alsdorf waren:

Ortsverein Alsdorf-Mitte. Vorsitzender  Heinz Bosten.

Ortsverein Schaufenberg/Bettendorf. Vorsitzender  Hubert Dellwing.

Ortsverein Ost (Siedlung Ost): Vorsitzender  Hans Ferner.

Ortsverein Kellersberg (I bis IV): Vorsitzender  Jakob Rinkens.

Ortsverein Ofden (mit Duffesheide): Vorsitzender  Hermann Geister.

Ortsverein Busch (mit Zopp): Vorsitzender  Peter Küpper.

Der Ortsverein Mariadorf/Hoengen blieb von der Neuorganisation in 1972 unberührt. Ein späterer Teilungsversuch Mitte der 70er Jahre in OV Hoengen, OV Mariadorf und OV Broicher Siedlung/Warden/Begau scheiterte nach vier Jahren. Alles wieder zurück wie vorher.

Kurt Koblitz - Sieben Jahre Bundestagsabgeordneter von November 1972 bis Oktober 1979

Zum Vorsitzenden des neu gegründeten SPD-Stadtverbandes Alsdorf wurde Kurt Koblitz gewählt.

Anmerkung: Die strukturellen Änderungen in der Organisationsform waren mit dafür verantwortlich, dass in den nächsten 22 Jahren die Alsdorfer SPD viel für die Stadt Alsdorf erreichen konnte. Die Partei erlebte einen bemerkenswerten  Aufschwung mit dem größten Organisationsstand im SPD-Unterbezirk Kreis Aachen.

Hatte der Stadtverband bei seiner Gründung in 1972 ungefähr 1.200 Mitglieder, so erreichte der Mitgliederstand 1978 seinen Höchststand mit fast 1.600 Mitgliedern. Das 1.500 Mitglied (dafür gab es einen Wettbewerb) stammte aus dem OV Kellersberg (III).Verantwortlich für diesen starken Anstieg in nur sechs Jahren war neben dem bundesweit guten Ansehen der SPD ( Willy Brand-Effekt ) vor allem die Gründung der sechs Stadtteil bezogenen neuen Ortsvereine. Hier merkte man deutlich den wachsenden Zuspruch für die Alsdorfer SPD.

Peter Küpper - Bürgermeister ab 1972

Für das Amt des Bürgermeisters ab 1972 hatten sich bereits frühzeitig Hans Ferner und Kurt Koblitz beworben und ihre jeweiligen Unterstützer gesammelt. In der Fraktion hatten sich zwei feste Blöcke gebildet. Andere Mitglieder der Fraktion nutzten das für die Nominierung eines dritten Kandidaten. Wie aus heiterem Himmel wurde erst in „letzter Sekunde“ in der entscheidenden Fraktionssitzung Peter Küpper vorgeschlagen, der dann auch mit knapper Mehrheit gewählt wurde.

Stadtdirektor in Alsdorf war bereits seit 21 Jahren der Sozialdemokrat  Dr. Helmut Eckert. Er führte dieses Amt insgesamt 24 Jahre bis zu seiner altersbedingten Pensionierung 1975.

III. Der SPD-Stadtverband Alsdorf nach der Gründung 1972

Da Kurt Koblitz im November 1972 in den Bundestag gewählt wurde, kandidierte er wegen Arbeitsüberlastung 1974 nicht mehr erneut für den Vorsitz des SPD Stadtverbandes.

Sein Nachfolger wurde Hans Berger, damals stellvertretender Bezirksleiter der IGBE in Alsdorf. Hans Berger führte den Stadtverband drei Jahre bis 1977. Die IGBE hatte ihn als Bezirksleiter an die Saar berufen, womit natürlich auch ein Wohnortswechsel verbunden war.

Da Hans Berger bei seinem Funktionsantritt noch ein relativ junger Mann war und in der Folge die Geschicke der Alsdorfer SPD gut leitete, gingen die meisten davon aus, dass man jetzt eine gute und längerfristige Personalentscheidung für den Stadtverband getroffen habe. Aber nun musste aufgrund der plötzlichen beruflichen Veränderung von Hans Berger der Vorsitz schnellstens neu besetzt werden.

Nach gutem Zureden stellte sich Kurt Koblitz MdB 1977 in einer Nachwahl erneut zur Verfügung, obwohl sich bei ihm bereits seit geraumer Zeit gesundheitliche Probleme eingestellt hatten. Er ließ auch keinen Zweifel daran, dass er das Amt nur für einen baldigen geordneten Übergang übernehmen würde.

Hans Vorpeil - Landtagsabgeordneter von Juni 1985 bis Juli 2005

Bei den ordentlichen Stadtverbandswahlen 1978 wurde dann Hans Vorpeil zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt, er war seit 1975 Vorsitzender des OV Mitte und im gleichen Alter wie Hans Berger.

Kurt Koblitz hatte für eine jüngere Person als baldigen Nachfolger plädiert. Der Grund dafür wurde bald  auf sehr dramatische Weise klar. Kurt Koblitz erkrankte in 1979 so ernsthaft, dass er sich davon nicht mehr erholte und am 13. Oktober 1979 verstarb.

Mit ihm hatte die SPD Alsdorf einen äußerst fähigen und zielstrebigen Politiker verloren, der volksnah und sehr beliebt war. Bis heute ist seine positive Art, Politik bürgernah zu vermitteln, für die Alsdorfer SPD Vorbild und Verpflichtung.

Der bisherige stellv. Vorsitzende Hans Vorpeil wurde im Oktober 1979 durch den Vorstand bis zur ordentlichen Mitgliederversammlung in 1980 zum kommissarischen Vorsitzenden des SPD-Stadtverbandes ernannt und bei den Neuwahlen 1980 als neuer Stadtverbandsvorsitzender bestätigt. Hans Vorpeil leitete den Stadtverband insgesamt elf Jahre bis Oktober 1990.

Sein Nachfolger wurde Klaus Bobisch, der bis 1994 den Vorsitz innehatte. Danach begann eine schwierige Zeit für die Alsdorfer SPD. Bei der Kommunalwahl 1994 war sie von den Wählerinnen und Wählern, nach internen Querelen, in die Opposition geschickt worden. Jetzt übernahmen in kürzeren Abständen Simon Robert, Dieter Ferner,  Jürgen Neesen, Heinrich Plum, Heiner Berlipp und Detlef Loosz bis Februar 2011 die Führung der Alsdorfer Sozialdemokraten. Sie alle hatten sich das Ziel gesetzt, die Partei wieder zu alter Stärke und Geschlossenheit zurück zu führen. Das bedeutete Geduld und „dicke Bretter bohren“. Einige warfen frühzeitig das Handtuch; aus den unterschiedlichsten Gründen. Die SPD Alsdorf musste lernen, sich in der Opposition zurechtzufinden und die „Bestrafung“ durch die Wählerinnen und Wähler zu akzeptieren und aufzuarbeiten.

Mit den Kommunalwahlen 1998 sollten zum ersten Mal in NRW die Bürgermeister direkt von den Wählerinnen und Wählern gewählt und nicht mehr durch den Rat nominiert werden. Die Bürgermeister sind seitdem sowohl Vorsitzende des Rates, als auch Chef der Stadtverwaltung. Für den SPD-Stadtverband kandidierte Fraktionsvorsitzender Gustl Rinkens und für die CDU Stadtdirektor Wolfgang Schwake. In der Stichwahl gewann Wolfgang Schwake mit 52,02 Prozent, für Gustl Rinkens hatten 47,98 Prozent der Wähler/innen gestimmt.

Ab 2004 fasste die SPD mit dem von CDU und SPD gemeinsam nominierten und gewählten Bürgermeister Helmut Klein wieder langsam Tritt und neues Selbstvertrauen. Die Wahl zu einem gemeinsamen und parteilosen Kandidaten war eine strategische Lösung, da eine Mehrheit des Rates den bisherigen Bürgermeister Schwake nicht mehr tragen wollte. Allerdings drückte diese Entscheidung (kein SPD-Mann und auch kein geborener Alsdorfer) offenbar die Motivation der SPD-Wähler, denn mit 34,89 Prozent Wählerstimmen betrug der Stimmenverlust fast zehn Prozent gegenüber 1999. Es sollte der SPD Alsdorf eine Lehre für die nächste Kommunalwahl im Jahr 2009 sein.

Bürgermeister Alfred Sonders

Bürgermeister Alfred Sonders

Es war beschlossene Sache, dass die SPD bei der Kommunalwahl 2009 wieder mit einem eigenen Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters antreten sollte. Mit Alfred Sonders hatte man einen „Macher“ gewonnen, der durch seine Erfolge als Geschäftsführer für die Stadthalle und den Freizeitpark im Broichbachtal positiv in der Bevölkerung wahrgenommen wurde. Nach einem, strategisch auf ihn und seine konkreten Ziele für Alsdorf ausgerichteten, Wahlkampf wurde Alfred Sonders mit einer überzeugenden Mehrheit von 68,35 Prozent zum Bürgermeister gewählt. Zugleich wurde die SPD mit 41,44 Prozent wieder stärkste Fraktion im Rat der Stadt.

Seit dem 26. Februar 2011 führt Hans Peter Thelen den SPD-Stadtverband Alsdorf. Mit seiner Wahl zum Vorsitzenden wurde deutlich, dass die Alsdorfer SPD aus ihrer Krise gelernt hat und gemeinsam mit

Stadtverbandsvorsitzender Hans-Peter Thelen

Stadtverbandsvorsitzender Hans-Peter Thelen

Bürgermeister Alfred Sonders einen neuen und zeitgemäßen Politikstil praktizieren wird. Bei der danach folgenden, turnusmäßigen Neuwahl zum Stadtverbandvorstand in 2012 wurde Hans-Peter Thelen einstimmig wieder gewählt. Ein Novum bei einer geheimen Wahl des Vorsitzenden!

Bei den Kommunalwahlen am 25. Mai 2014 gelang es, das schon gute vorherige Wahlergebnis von Bürgermeister  Alfred Sonders mit 72,42 Prozent nochmals deutlich zu steigern. Und das, obwohl der Bürgermeister vier Gegenkandidaten aus CDU, GRÜNEN, LINKE und REP hatte.

Die SPD erzielte bei dieser Kommunalwahl mit 51,98 Prozent die absolute Mehrheit und gewann alle 19 Direktmandate. Sie wurde wieder stärkste Fraktion im Rat mit 20 Sitzen bei insgesamt 38 Stadtverordneten. Die CDU hatte mit 24,31 Prozent und neun Sitzen im Rat ihr schlechtestes Ergebnis seit 1948.

Das für den SPD-Stadtverband Alsdorf erfolgreichste Jahr seit seiner Gründung in 1972 wurde mit der Wiederwahl von Hans-Peter Thelen zum Vorsitzenden auf dem turnusmäßigen Stadtparteitag am 10. Juni 2014 abgerundet. Er erhielt 98,2% der Delegiertenstimmen.

IV. Kommunal-Wahlergebnisse seit 1972 in Zahlen

Da SPD und CDU immer die stärksten Parteien bei Kommunalwahlen waren, sind bei dieser Aufstellung die anderen, kleineren Parteien vernachlässigt worden.

1972:
SPD 51,1 %, 22  Sitze (Rat 41 Sitze insgesamt)
CDU 46,1 %, 19  Sitze

1975:
SPD 51,02 %, 23  Sitze (Rat 45 Sitze insgesamt)
CDU 45,33 %, 22  Sitze

1979:
SPD 52,01 %, 24  Sitze (Rat 45 Sitze insgesamt)
CDU 45,18 %, 20  Sitze

1984:
SPD 53,02 %, 24  Sitze (Rat 45 Sitze insgesamt)
CDU 38,79 %, 18  Sitze

1989:
SPD 50,44 %, 23  Sitze (Rat 45 Sitze insgesamt)
CDU 33,83 %, 16  Sitze

1994:
SPD 43,41 %, 21  Sitze (Rat 45 Sitze insgesamt)
CDU, 42,40 %, 21  Sitze

1999:
SPD 44,72 %, 19  Sitze (Rat 45 Sitze insgesamt)
CDU 42,80 %, 19 Sitze

2004:
SPD 34,89 %, 13  Sitze (Rat verkleinert auf 39 Sitze)
CDU 35,66 %, 14  Sitze

2009:
SPD 41,44 %, 16  Sitze (Rat 39 Sitze insgesamt)
CDU 29,45 %, 11  Sitze

2014:
SPD 51,98 %, 20  Sitze (Rat 39 Sitze insgesamt)
CDU 24,31 %, 9  Sitze

V. Die Fraktion seit 1972

Die Kommunalwahlen, die am 10. Mai 1972 stattfanden, bescherten der SPD die absolute Mehrheit im 41 Mitglieder umfassenden Rat. Die einzige Oppositionspartei war die CDU. Erster Bürgermeister der neuen Stadt wurde nach einer vorherigen Kampfabstimmung in der SPD-Fraktion Peter Küpper.

Erster Fraktionsvorsitzender der SPD-Fraktion im Rat der neuen Stadt Alsdorf wurde 1972 Hubert Dellwing. Er führte dieses Mandat bis zu den nächsten Kommunalwahlen 1975.

Die Kommunalwahlen 1975 wurden wiederum mit absoluter Mehrheit für die SPD entschieden. Einzige Oppositionsfraktion blieb die CDU. Der Rat wurde durch Änderung des NRW-Kommunalwahlgesetzes auf 45 Mitglieder aufgestockt.

Neuer Fraktionsvorsitzender wurde Jakob Rinkens.

Anmerkung: Im Herbst 1975 wurde Klaus Pohlmann für 12 Jahre zum Stadtdirektor gewählt, nachdem Stadtdirektor Dr. Helmut Eckert, der das Amt 24 Jahre ausübte, aus Altersgründen ausgeschieden war. Klaus Pohlmann war wie sein Vorgänger Mitglied der SPD.

Jakob Rinkens blieb auch in den nächsten beiden Wahlperioden, die ebenfalls mit absoluten Mehrheiten für die SPD gewonnen wurden, Fraktionsvorsitzender bis 1986, wo er mitten in der Wahlperiode geordnet den Übergang organisierte für seinen Nachfolger Klaus Bobisch.

Josef Thelen - Bürgermeister ab 1984

Nach den Kommunalwahlen 1984 wurde Josef Thelen zum Bürgermeister gewählt. In einer Kampfabstimmung hatte er sich in der Fraktion gegen Peter Küpper durchgesetzt, der dieses Mandat seit 1972 innehatte. Erstmals zogen „Die Grünen“ mit drei Mandaten in den Stadtrat ein.

Nach den Kommunalwahlen 1989 wurde Klaus Bobisch erneut zum Fraktionsvorsitzenden gewählt. Neuer Bürgermeister wurde Helmut Janus, nachdem Josef Thelen seinen vorherigen Verzicht für ein erneutes Mandat erklärt hatte.

Im Jahre 1992 begann für die Alsdorfer SPD-Fraktion nach vielen Jahren guter Arbeit mit erheblichen Erfolgen eine starke Krise, die die Stadt-SPD Glaubwürdigkeit, Vertrauen und logischerweise dann die Mehrheit bei den Kommunalwahlen 1994 kostete. Nach parteiinternen und öffentlichen Turbulenzen und Querelen in 1992, gaben Bürgermeister Helmut Janus und einige Zeit später auch Fraktionsvorsitzender Klaus Bobisch auf Druck aus Parteibasis und Öffentlichkeit ihre Mandate zurück.

Neue Fraktionsvorsitzende wurden für jeweils kurze Zeit bis 1994 Josef Kohnen und danach Manfred Heinze. Partei und Fraktion hatten sich von den internen Problemen noch nicht erholt.  Es gelang nicht, Ruhe in die nach wie vor bestehenden Turbulenzen zu bringen und neue Geschlossenheit zu gewinnen. Es war nur noch ein Verwalten und kein Gestalten mehr möglich.

Friedel Frings - Bürgermeister von 1992-1994

Als Bürgermeister wurde nach Janus Rücktritt Friedel Frings mit der SPD-Mehrheit im Rat gewählt. Er übte sein Amt für die nächsten zwei Jahre bis zur Kommunalwahl 1994 hervorragend aus. Er genoss viel Sympathie in der Öffentlichkeit, aber den Abwärtstrend der SPD konnte auch Friedel Frings nicht stoppen.

Die Alsdorfer SPD verlor zum ersten Mal nach 22 Jahren Arbeit seit der kommunalen Neugliederung die Mehrheit im Rat und wurde 1994 nur noch gleichstark mit der CDU (je 21 Sitze im Stadtrat).  Es war die Folge eines hausgemachten Vertrauensverlustes. Die Gründe lagen auf der Hand: Die seit 1956  ununterbrochene Macht als stärkste Fraktion im Rat hatte die Verantwortlichen von einer bürgernahen Politik entfernt. Fehler, die unverzeihlich waren und aus denen die Alsdorfer SPD in den weiteren Jahren viel lernen musste.

Es entstand 1994 die erste schwarz-grüne Kooperation im Rat der Stadt Alsdorf. Sie sollte allerdings in der nächsten Wahlperiode nach 1999 scheitern.

Anmerkung: In 1987 lehnte nach Ende seiner zwölfjährigen Amtszeit Stadtdirektor Klaus Pohlmann eine erneute Wahl zum Stadtdirektor aus persönlichen Gründen ab. Neuer Stadtdirektor wurde ab 1987 Klaus Michael Kohls, Umweltdezernent in Duisburg. Nach mehr als einem Jahr wechselte er auf eine andere kommunale Stelle in NRW. Ihm folgte 1989 Hans Puchert, Kämmerer in Eschweiler. Beide Stadtdirektoren waren ebenfalls Mitglied der SPD.

Nach der schockierenden Wahlniederlage wollte die Alsdorfer SPD 1994 einen Neuanfang. Sie wählte mit Hans Peter Thelen einen Fraktionsvorsitzenden, der bisher dem Rat nicht angehörte und auch somit keine Berührungspunkte zu den internen Querelen hatte. Er war jemand, dem man zutraute, die Fraktion aus der Krise zu führen.

Zum ersten Mal musste die SPD-Fraktion aus der Opposition heraus Politik betreiben. Ein frustrierendes Gefühl mit immer wieder notwendiger neuer Motivation. Immer noch mangelnde Geschlossenheit führte dazu, dass Hans Peter Thelen Ende 1997 enttäuscht den Vorsitz vorzeitig niederlegte und gleichzeitig aus dem Stadtrat ausschied.

Anmerkung: In 1997 lief die achtjährige Wahlperiode des Stadtdirektors Hans Puchert aus. Natürlich wollte die neue schwarz/grüne Kooperation einen Stadtdirektor aus der CDU. Gewählt wurde Wolfgang Schwake aus Schöppingen (NRW), der dort Gemeindedirektor war. Er führte dieses Amt bis 1999, der Auflösung der Funktion des Stadtdirektors bei kreisangehörigen Gemeinden in NRW.

Als Fraktionsvorsitzender folgte Anfang 1998 Gustl Rinkens, der die SPD-Fraktion bis Januar 2011 führte. Gab es noch ab 2001 eine lockere Zusammenarbeit mit der CDU, nachdem diese die Kooperation mit den „Grünen“ aufgekündigt hatte, so war nach der Kommunalwahl 2004 mit dem „gemeinsamen“ Kandidaten und Bürgermeister Helmut Klein eine feste Zusammenarbeit mit der CDU verabredet worden; allerdings ohne schriftlichen Vertrag.

Fraktionsvorsitzender Detlef Loosz

Fraktionsvorsitzender Detlef Loosz

Diese Zusammenarbeit wurde seitens der CDU zunehmend erschwert. Interne Streitigkeiten mit mehrfachem Wechsel des Fraktionsvorsitzenden machten die CDU zu einem politischen „Unsicherheitsfaktor“. Die Konsequenzen daraus musste die CDU bei der Kommunalwahl 2009 tragen. Sie verlor erheblich, führte ihren internen Streit weiter und spaltete sich im Rat in zwei Fraktionen, wobei die daraus entstandene „Alsdorfer Bürger-Union“ (ABU) mit der erstarkten SPD und der FDP bis 2012 die sogenannte „Gestaltungsmehrheit“ bildeten. 2012 wurde die Zusammenarbeit mit der ABU seitens der SPD gekündigt, nachdem es zu erheblichen Vertrauensbrüchen durch die ABU gekommen war. Die Zusammenarbeit mit der FDP ging unberührt hiervon weiter. Es war eine ebenfalls ohne schriftlichen Vertrag getroffene Zusammenarbeit. Fraktionsvorsitzender wurde ab Februar 2011 Detlef Loosz.

Dieses Mandat wurde bei der Konstituierung der Fraktion zur neuen Wahlperiode 2014 bis 2020 mit Detlef Loosz als Vorsitzenden eindrucksvoll bestätigt.

Zum ersten Mal seit 1994 – nach 20 Jahren –  hat die SPD wieder die absolute Mehrheit im Rat der Stadt erringen können und ist somit nicht auf die Unterstützung anderer Fraktionen angewiesen. Mit Bürgermeister Alfred Sonders besteht dennoch Einigkeit darüber, einen offenen Umgang mit den konkurrierenden Oppositionsfraktionen zu pflegen.

VI. Landtags- und Bundestagsmandate des Stadtverbandes Alsdorf

Immerhin vier Alsdorfer SPD-Mitgliedern war es bis 2005 gelungen, überregionale Mandate im Landtag NRW und im Bundestag zu erzielen. Im Vergleich zu anderen Städten gleicher Größenordnung ist dies bisher eine hervorragende Bilanz für die Alsdorfer SPD. Die Mandatsträger waren:

Hubert Dellwing:
Drei  Jahre Landtagsabgeordneter von Juni 1959 bis Juli 1962 (nachgerückt über Reserveliste). Hubert Dellwing war zu dieser Zeit führender SPD-Politiker im Kreis Aachen und hatte durch die Gruppe der Arbeitnehmervertreter beim Landesparteitag 1958 einen aussichtsreichen  Listenplatz erzielt. Deshalb konnte er auch frühzeitig in den Landtag nachrücken.

Hans Ferner:
Elf  Jahre Landtagsabgeordneter von Juni 1966 bis Juli 1970 und von Juni 1975 bis Oktober 1982  (3.10.1982 verstorben). Hans Ferner hatte 1966 und auch 1975/1980 die große Unterstützung der starken IGBE und deren Betriebsräte beim EBV. Er hatte keine Gegenkandidaten in der Partei. Hans Ferner errang seine drei Landtags-Mandate immer direkt. Mitten in seiner 3.Wahlperiode verstarb Hans Ferner.

Kurt Koblitz:
Sieben Jahre Bundestagsabgeordneter von November 1972 bis Oktober 1979 (13. 10.1989 verstorben). Kurt Koblitz war 1972 Vorsitzender des SPD Unterbezirks (UB) Aachen (Stadt und Kreis Aachen), der kurze Zeit später auf Betreiben der kreisangehörigen Stadtverbände und Ortsvereine geteilt wurde in UB Stadt und UB Kreis Aachen. Kurt Koblitz war unangefochtener Kandidat für den Bundestag und gewann seine beiden Wahlen als Direktkandidat.

Hans Vorpeil:
20 Jahre Landtagsabgeordneter von Juni 1985 bis Juli 2005. Nach dem Tod von Hans Ferner wollte der UB Kreis Aachen unbedingt wieder ein Mandat im Landtag für den Nordkreis direkt erobern. Man war sich im UB einig, dass der größte und stärkste Stadtverband im Nordkreis, Alsdorf, einen Kandidaten stellen sollte. In einer Stadtverbandsvorstandssitzung 1984 meldeten Klaus Bobisch und Hans Vorpeil ihre Kandidaturen an. In der Kampfabstimmung erzielte Hans Vorpeil mit 15 zu zwei Stimmen die Kandidatur für den Nordkreis Aachen. Vier Wahlen zum Landtag wurden nacheinander von Hans Vorpeil direkt gewonnen.

VII. Schlussbemerkung

Die Kommunalwahlen 2014 waren ein historisches Ereignis: Denn seit 1948, dem Start unserer neuen demokratischen Gemeindeordnung, hat die SPD in 2014 alle Wahlbezirke direkt gewonnen und gegenüber der CDU, der zweitstärksten Fraktion, mehr als die doppelte Anzahl der Stadtratsmandate erzielt.

Das ist der größte Erfolg für die SPD seit Gründung des ersten Ortsvereins im Jahr 1900.

Auf dem Höhepunkt dieser SPD-Erfolge endet vorerst die niedergeschriebene Geschichte der Alsdorfer SPD; nach 42 Jahren seit der „Kommunalen Neugliederung“ in unserer Stadt.

Meine Erzählung als sehr nah beteiligter Zeitzeuge für den geschilderten Zeitraum zeigt Höhen und Tiefen einer Partei, die in Alsdorf weitgehend durch die Bergbaustruktur mit den traditionell und eng verbundenen Ortsgruppen der IGBE stark geworden war und dadurch bis in die 1990er Jahre geprägt worden ist. Betriebsräte und Gewerkschafter der IGBE waren vielfach tonangebend und besetzten die meisten führenden Funktionen in Stadtverband, Ortsvereinen und Fraktion.

Die Berichterstattung macht aber auch deutlich, dass die Alsdorfer SPD ihren eigenen Strukturwandel vollziehen musste, nachdem die viele Jahre sichere und starke Bergbaubasis ab Anfang der 1990er Jahre aufgrund des Bergbauendes stetig abnahm und die Stadt-SPD noch zusätzlich unter den schlimmen Folgen selbst verursachter Fehler litt. Die strukturelle und mentale „Neufindung“ dauerte fast zehn  Jahre, bis Anfang der 2000er Jahre.

Wenn man zu dem Schluss kommt,  die Alsdorfer SPD habe sich wie „Phönix aus der Asche“ nach den Krisen der 1990er Jahre erneuert und geläutert „erheben können“, dann klingt das sicherlich sehr prosaisch. Es ist aber Realität und beweist den traditionellen Kampfeswillen unserer Partei.

Hand aufs Herz! Wer hätte als nah beteiligter Zeitzeuge des Debakels von 1992 ernsthaft geglaubt, dass die Alsdorfer SPD jemals mit einer solchen Wucht und mit einem so hervorragend mit dem Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger ausgestatteten Bürgermeister, nach 22 Jahren seit dem „Sündenfall“, wieder stark da ist und alleinverantwortlich die Geschicke unserer Stadt bestimmen wird? Und diese Entwicklung ist umso erstaunlicher, als es nicht mehr die starken Stammwählerbindungen früherer Tag gibt; auch ist die starke Bergbau geprägte Zeit, die der SPD der 70er und 80er Jahre sehr zu Gute kam, endgültig vorbei. Genauso wie die Abnahme der unterstützenden Gewerkschaftslobby, die heute nur noch aus zwei von ehemals sechs Ortsgruppen der IGBCE besteht. Das alles beweist: Die Alsdorfer SPD ist gemeinsam mit ihrem beliebten Bürgermeister Alfred Sonders für neue Wählerschichten attraktiver geworden.

Aktuell wird die SPD Alsdorf an der Spitze durch einen gut harmonisierenden „Dreiklang“ gesteuert und repräsentiert. Bürgermeister, Parteivorsitzender und Fraktionsvorsitzender genießen in der Öffentlichkeit Akzeptanz durch ihre Kompetenz, zeigen Geschlossenheit und Ehrlichkeit bei ihrer Politik.

Das Nahziel kann nur lauten: in den sechs Jahren bis 2020, der nächsten Kommunalwahl, muss das große Vertrauen bei den Wählerinnen und Wählern jeder Zeit und bei jeder Gelegenheit rechtfertigt werden. Geschlossenheit zu wahren und stets „auf dem Teppich zu bleiben“, um die Bodenhaftung nicht zu verlieren, muss der Kompass der Alsdorfer SPD sein. Die SPD Alsdorf ist nach wie vor  d i e prägende und gestaltende Kommunalpartei in Alsdorf. Das war aber kein Selbstläufer bis hierher. Gefordert ist weiterhin Disziplin; immer mit konzentriertem Blick auf die berechtigten Belange der Alsdorfer Bürgerinnen und Bürger.

Hans Vorpeil

Im August 2014